Sonntag, 21. August 2011

Das Haus im Wald Teil 2


Bert Brenner und Grit Sonnenberg kamen atemlos in der pathologischen Abteilung an, die im Keller des Kommissariats untergebracht war.
„Was ist denn los, Dr. Gerling?“
Der Pathologe stand unruhig vor der Wand mit den Kühlfächern, in denen die Leichen aufbewahrt wurden, die zur Obduktion in der Pathologie waren.
Eines der Fächer stand offen und eine leere Bare stach daraus hervor. Ein blaues Operationstuch lag am Boden.
„Sie ist weg.“
„Sie ist was?“
„Weg!“ Dr. Gerling deutete auf die Bare.
„Ich selbst habe sie da hinein geschoben.“
„Und dann haben sie den Raum verlassen?“
„Nein. Ja! Ich habe eine Obduktion im Nebenraum durchgeführt. Wie sie erkennen können, gibt es nur diese eine Tür. Wer auch immer die Leiche hätte stehlen wollen, müsste an mir vorbei gekommen sein. Es war aber niemand da. Als ich fertig war, habe ich den Leichnam in dieses Fach geschoben und wollte bei ihrer Dame von heute Morgen weitermachen. Ich öffnete das Fach und es war leer!“ Dr. Gerling raufte sich die Haare und lief weiter unruhig vor den Kühlfächern auf und ab.
Grit warf einen Blick zur Decke.
„Wird dieser Raum Kameraüberwacht?“
„Nein, aber in meinem Labor gibt es zwei Kameras. Die eine zeichnet meine Arbeit auf und die andere den Eingangsbereich.“ Dr. Gerling eilte zu seinem Computer und tippte auf der Tastatur.
„Die Überwachungskamera ist mit dem PC verbunden. Ich kann die Aufzeichnungen hier abrufen.“
Bert und Grit stellten sich hinter ihn und beobachteten, was die Kamera aufgezeichnet hatte. Alles passierte so, wie von Dr. Gerling berichtet. Als die Aufzeichnung wiedergab, wie er den Leichnam zunähte rief Grit:
„Stopp! Habt ihr das gesehen?“
Sie ließen die Stelle noch einmal in Zeitlupe abspielen.
„Da!“, die Tür öffnet sich.
„Das gibt es ja nicht!“ Dr. Gerling wurde so blass wie die Frau, die aus der Kühlkammer kam, hinter ihm entlang schlich und seelenruhig das Labor verließ.
„Sie sieht aus, wie ein Schatten ihrer selbst“, murmelte Bert. „Als wäre sie nicht aus Fleisch und Blut.“
„Ich denke es wird Zeit, ihn zu informieren“, sagte Grit.
„Wo sind wir hier, bei den Geisterjägern?“, fragte Dr. Gerling fassungslos.
„So ähnlich!“ Bert legte ihm seine Hand auf die Schulter. „Bitte geben sie uns das Video und halten sie Stillschweigen über diesen Vorfall. Wir werden sie zu gegebener Zeit aufklären.“

„Weißt du, wo wir ihn finden?“, fragte Grit, als sie den langen Flur entlang eilten.
„Ich denke, er wird uns finden. Wir werden erst einmal dem Haus im Wald einen Besuch abstatten. Vielleicht kann die Bewohnerin selbst uns sagen, wer sie umgebracht hat.“
„Denkst du, sie ist dorthin zurückgegangen?“
„Ja. Sie wird noch eine Weile brauchen, um sich zu rehabilitieren. Sie muss sich in dem Haus heilen, da ist ihre Macht am stärksten. Wir müssen dafür sorgen, dass ihr Angreifer sie dabei nicht stört.“
Grit blieb stehen, bevor sie in den Flur einbogen, wo die Kollegen der normalen Abteilungen des Kommissariats geschäftig hin und hereilten.
„Glaubst du wirklich, dass Rosalia zurückgekehrt ist?“
„Mein Gefühl sag ja.“
Grit wusste, dass Bert seit Rosalia ihn bei ihrer letzten Begegnung aus Borkas Fängen gerettet hatte, auf eine übersinnliche Art mit der Hexe verbunden war.

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